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Fernreise

Königreich in den Nebelbergen

Im Hochland Sri Lankas liegt die historische Königsstadt Kandy. Wie ist es, einen Abend als Gast beim alten Adel zu verbringen in einem Herrenhaus, versteckt außerhalb der Stadt?

Zahntempel in Kandy

Die steile Privatstraße windet sich in Haarnadelkurven hinab in ein grünes Tal. Im schwächer werdenden Licht des schwindenden Tages sind die seitlichen Hänge gerade noch erkennbar, die über und über mit blühenden Blumen bewachsen sind. Ihr betörender Duft hängt schwer in der lauen Abendluft.

Mit jeder Kurve scheint die Straße enger zu werden. Ab und zu schicke ich ein Stoßgebet gen Himmel, wenn der Lichtkegel des Vans offenbart, wie nahe wir uns am Abgrund befinden. Plötzlich raubt ein geparktes Auto den ohnehin begrenzten Platz in einer Steilkurve, obwohl das Ziel noch nicht erkennbar ist. „Ein Kollege, der aufgegeben hat“, so der flachsende Kommentar von Sumi, meinem Chauffeur und deutschsprachigem Guide, was das flaue Gefühl in meinem Bauch noch verstärkt. Doch endlich lichtet sich nach einer gefühlten Ewigkeit der Blick in das Tal und auf das alte Herrenhaus Kirinda Walauwa.

Ankunft in Kirinda Walauwa - Oldtimer Sammlung des Besitzers

„Ayubowan – herzlich willkommen“, begrüßt auf singhalesisch der aristokratische Hausherr, Mr. Lalith Illankoon. Ich erhalte eine kurze Führung durch den prachtvollen Garten und kann das Ausmaß und die Fruchtbarkeit der zugehörigen Ländereien im Dunkeln noch erahnen. Dann geht es auch schon zu den Vorbereitungen des Abendessens in die Außenküche des Anwesens.

Ich lerne ceylonesische Zutaten kennen und zubereiten. Unter Anleitung der freundlichen Köchin werden Kokosnüsse geraspelt und ausgepresst für ein scharfes Coconut Sambol und ein leckeres Curry. Außerdem drückt sie gedämpftes Reismehl durch die String Hopper Presse für die berühmten Reisnester, die als Beilage dienen. Nach soviel begeistertem Einsatz schmeckt hinterher das selbstgekochte Essen umso besser.

Zubereitung von String Hoppers

Leckere Currys in Vorbereitung

Im Anschluss führt der Hausherr höchstpersönlich durch sein Haus und zeigt mir die drei einfachen Gästezimmer. Die luftige Architektur des Hauses mit einem Innenhof und dicken Lehmwänden erlaubt es, im Hochland Sri Lankas auf eine Klimaanlage zu verzichten. Leider sind für unsere siebenköpfige Reisegruppe mit zwei Familien heute keine Zimmer mehr frei - eine frühzeitige Reservierung ist hier angeraten. So sage ich unserem Gastgeber im Kirinda Walauwa herzlichen Dank und Lebewohl, bevor wir alle unseren Rückweg in die alte Königsstadt Kandy antreten.

Zugfahrt durch das Hochland Sri Lankas

Am nächsten Morgen geht es zum Bahnhof von Kandy, wo ich den Zug Richtung Hochland besteige. Begleitet von einer Gruppe einheimischer Studenten, die sich singend und musizierend sichtbar auf ihre Studienexkursion freuen, lassen wir uns in unserem Abteil nieder. Die Mitreisenden sind freundlich und neugierig zugleich. „Wo kommen Sie her?“, „Wie lebt man in Deutschland?“, „Was für Schulen gibt es dort?“ - so tauschen wir uns aus über Schulausbildung und die Lebensverhältnisse in unseren Ländern, während der Zug losrattert.

Blogautorin Anja im Zug in Sri Kanka

Die Ausblicke während der Fahrt überwältigen mich dann zunehmend und rücken in den Vordergrund - grüne Teeplantagen und Täler soweit das Auge reicht. Langsam ächzt der Zug Höhenmeter um Höhenmeter höher durch die sattgrünen Hänge. Die Geschwindigkeit passt perfekt zu einer Panoramafahrt durch das Hochland Sri Lankas. Ich kann sogar den Teepflückern bei ihrer harten Arbeit zuschauen.

Teepflücker bei der Arbeit auf einer Teeplantage in Sri Lanka

An den Bahnhöfen unterwegs herrscht geschäftiges Treiben und fliegende Händler preisen ihre Waren an, während Schulkinder sich von ihren Eltern verabschieden. Auf dem letzten Teil der Strecke umfängt mich erneut die einzigartig schöne Landschaft, deren Konturen und Farben für immer im Gedächtnis bleiben werden.

Haltestopp in einem Bahnhof

Drei Stunden später nimmt mich Sumi am Endbahnhof wieder verlässlich in Empfang und die Fahrt geht weiter hinein ins Hochland zu einer Teeplantage und Teefabrik. Da Tee zu diesem Land gehört wie kaum ein anderes Produkt, schaue ich mir natürlich an, wie das „schwarze Gold“ Sri Lankas angebaut, geerntet und verarbeitet wird. In der Teefabrik erklärt eine nette Führerin den Prozess der Fermentation und der Graduierung, das heißt der Einteilung des Tees in Güteklassen.

Zum Schluss gibt es noch ein Kostprobe verschiedener Tees und beim Blick auf die über und über mit grünen Teepflanzen bedeckten Hügel freue ich mich, wieder einmal hier sein zu dürfen. Diese Kulturlandschaft, obwohl von Menschenhand geschaffen, gehört für mich zu den schönsten der Welt.

Familientipp Sri Lanka: Diese Rundreise ist auch sehr gut für Kinder geeignet. Meine eigenen Kinder im Alter von 6 und 10 Jahren waren auf dieser Reise mit dabei.


Im Hochland von Sri Lanka